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Präoperative Radiotherapie bei Rektumkarzinom günstig

m -- Colorectal Cancer Collaborative Group. Adjuvant radiotherapy for rectal cancer: a systematic overview of 8507 patients from 22 randomised trials. Lancet 2001 (20. Oktober); 358: 1291-1304 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 2002

Studienziele
Bis zu 25% der Personen mit einem Rektumkarzinom, das scheinbar kurativ reseziert wurde, haben später ein lokales Rezidiv. In vielen Studien wurde versucht, diese Rezidivrate mittels adjuvanter Radio- und Chemotherapie zu reduzieren. In dieser Metaanalyse wird anhand von 22 randomisierten Studien die Wirksamkeit einer prä- oder einer postoperativen Radiotherapie untersucht.

Methoden
Aus 28 randomisierten Studien konnten die individuellen Daten von 22 Studien in einer Datenbank zusammengefasst werden. In 14 Studien mit 6'350 Personen war die Wirkung einer präoperativen, in 8 Studien mit 2'157 Personen diejenige einer postoperativen Bestrahlung mit den Resultaten bei Operierten ohne Bestrahlung verglichen worden.

Ergebnisse
Das Überleben unterschied sich in den beiden Gruppen, d.h. mit und ohne präoperative Bestrahlung, nicht wesentlich: 10 Jahre nach Behandlung lebten in der Gruppe mit Bestrahlung noch 27%, in der Gruppe ohne Bestrahlung noch 25%. Mit präoperativer Bestrahlung starben zwar weniger am Krebsleiden als mit alleiniger Operation (45% gegenüber 50%), in der bestrahlten Gruppe gab es aber im ersten Jahr mehr Todesfälle aus andern Gründen. Reduziert wurden durch die Bestrahlung lokale Rezidive: 10 Jahre nach präoperativer Bestrahlung waren isolierte lokale Rezidive bei 17% gegenüber 26% in der Kontrollgruppe aufgetreten. Auch die Gesamtzahl der Rezidive war leicht verringert (55% gegenüber 61%). Bei höheren Bestrahlungsdosen (30 Gy oder mehr) war der Effekt stärker als bei niedrigeren Dosen. Für die postoperative Bestrahlung konnte lediglich ein Effekt auf die isolierten lokalen Rezidive nach 5 Jahren nachgewiesen werden.

Schlussfolgerungen
Die präoperative adjuvante Strahlentherapie mit Strahlendosen von 30 Gy oder mehr reduziert das Rezidivrisiko und das Risiko, an einem Rektumkarzinom zu sterben. Wenn die Sicherheit der adjuvanten Strahlentherapie ohne Verringerung der Wirksamkeit erhöht werden kann, sollte dadurch auch das Gesamtüberleben verlängert werden können. Der Nutzen der postoperativen Bestrahlung ist weniger gut dokumentiert, dürfte denjenigen der präoperativen Bestrahlung aber nicht übersteigen. (PK)

Diese sorgfältige Metaanalyse bringt etwas Licht in das schwierige Problem der Vor- und Nachbehandlung des Rektumkarzinoms. Trotz der bekannten Schwierigkeiten einer Metaanalyse von Studien, die bis 20 Jahre auseinander liegen (Änderungen in der Bestrahlungstechnik und Personenauswahl), kristallisieren sich doch gewisse Punkte heraus, die für die Praxis wichtig sind: 1. Die präoperative kurzdauernde Radiotherapie bringt mehr als die postoperative, die aus Gründen der Patientenbelastung auf 5-6 Wochen «verdünnt» wird. 2. Die biologisch wirksame Totaldosis sollte 10 oder mehr Gy betragen. 3. Personen mit dem Stadium Dukes C profitieren am meisten von der präoperativen Radiotherapie, mit oder ohne mesorektale Exzision.
Nachteile der präoperativen Radiotherapie: 1. Eine genaue Stadienbestimmung mittels Pathologie/Histologie ist vor dem chirurgischen Eingriff nicht möglich. 2. Der Vergleich zwischen Radio- und Radio-Chemotherapie adjuvant ist noch offen.

Peter Forrer

 

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Präoperative Radiotherapie bei Rektumkarzinom günstig (Januar 2002)
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