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Kongressberichte mit Vorsicht geniessen!

  • a -- Toma M, McAlister FA, Bialy L et al. Transition from meeting abstract to fulllength journal article for randomized controlled trials. JAMA 2006 (15. März); 295: 1281-7
  • Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
  • Kommentiert von: Renato L. Galeazzi
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 5
    Datum der Ausgabe: Mai 2006

An grossen Kongressen werden viele Studien in Abstract- Form vorgestellt und anschliessend häufig von den interessierten Firmen mit viel publizistischem Aufwand ausgeschlachtet. Für die Meta-Analytiker stellt sich die Frage, ob nur in Abstract-Form publizierte Studien auch in eine systematische Review Eingang finden sollen. Die Reviews würden vollständiger, aber andererseits werden an Kongressen häufig vorläufige Daten-Auswertungen gezeigt und die Abstracts sind nicht «peer-reviewed».

Die Studienverantwortlichen untersuchten das Schicksal von 186 randomisiert-kontrollierten klinischen Studien, die zwischen 1999 und 2002 an Kongressen des «American College of Cardiology» vorgestellt worden waren. 86 Studien, die von der Kongress-Organisation als besonders wichtig eingestuft und an einer sogenannten «late-breaking trials session» vorgestellt wurden, wurden 100 Studien gegenübergestellt, die an anderer Stelle präsentiert wurden. Im Vergleich zu den übrigen wurden die «late-breaking»- Studien später häufiger als vollständige Artikel in einer medizinischen Zeitschrift publiziert (92% gegenüber 69%), sie erschienen in Zeitschriften mit höherem «Impact Factor», berichteten aber weniger häufig über positive Resultate und ihre Qualität erschien besser. In 41% der veröffentlichten Studien entsprachen die Resultate in den publizierten Artikeln nicht genau den Resultaten in den Abstracts, der Unterschied war jedoch nur in einem Fall statistisch signifikant. In dieser Beziehung unterschieden sich «latebreaking »-Studien nicht von den übrigen. Die Studienverantwortlichen warnen vor einer allzu starken Gewichtung von Evidenz, die «nur» in Abstract-Form publiziert worden ist.

Die Qualität der an Kongressen veröffentlichten Studien scheint sehr unterschiedlich zu sein. Es ist daher sicher grosse Vorsicht in der Interpretation ihrer Resultate geboten. Dies gilt wohl insbesondere für Kongressberichte in Zeitschriften, die von der Industrie voll gesponsert werden, und die normalerweise ungebeten gratis ins Haus flattern. Andererseits sind gerade die «late-breaking trials sessions» ein Ort, wo Studien vorgestellt werden, deren Aufarbeitung etwas sorgfältiger erfolgte.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

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infomed-screen 10 -- No. 5
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Kongressberichte mit Vorsicht geniessen! (Mai 2006)