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Unterschiede zwischen Rofecoxib und Celecoxib?

f -- Levesque LE, Brophy JM, Zhang B. The risk for myocardial infarction with cyclooxygenase- 2 inhibitors: A population study of elderly adults. Ann Intern Med 2005 (5. April); 142: 481-8 [Link]
Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 2005

Der «Vioxx-Skandal» hat die Frage bis jetzt noch nicht beantwortet, ob die unter Rofecoxib (Vioxx®) vermehrt auftretenden kardiovaskulären Nebenwirkungen einen «Klasseneffekt » aller COX-2-Hemmer darstellen oder ob sie Rofecoxib- spezifisch sind. Eine Studie zur Untersuchung über den Einfluss von Celecoxib (Celebrex®) auf die Häufigkeit von Kolon-Adenomen wurde vorzeitig abgebrochen, weil auch unter dieser Substanz kardiovaskuläre Ereignisse häufiger auftraten, was als Hinweis auf einen Klasseneffekt gedeutet wurde.1 Die beiden hier zusammengefassten Untersuchungen kommen nicht zum gleichen Ergebnis.
Die erste, eine Fall-Kontroll-Studie, wurde begonnen, um den Einfluss der Antirheumatika (mit Ausnahme der Acetylsalicylsäure) auf die Häufigkeit von Erstinfarkten zu studieren. Die sorgfältig gewonnenen Daten zeigen bei den Infarktkranken einen 2,5-fach höheren Rofecoxib- als Celecoxibgebrauch in der Woche vor dem Infarkt. Die Odds-Ratio für Rofecoxib verglichen mit keinem Antirheumatikum war von 1 nicht verschieden, wohingegen die Odds-Ratio für Celecoxib signifikant erniedrigt war.
Die zweite Studie aus Kanada, ebenfalls eine Fall-Kontroll- Studie mit Hilfe von Gesundheitsstatistiken der Provinz Québec, in der 2'844 Fälle mit akutem nicht-tödlichem Myokardinfarkt mit 56'880 Kontrollen verglichen werden, zeigt ähnliche Resultate in Bezug auf den Unterschied zwischen Rofecoxib und Celecoxib. Hier zeigt Rofecoxib jedoch einen Zusammenhang mit der Infarkthäufigkeit, währenddessen Celecoxib und die gewöhnlichen Antirheumatika eine Odds-Ratio ohne Unterschied zum Nichtgebrauch haben.

Aus diesen Studien lassen sich noch nicht endgültige Schlüsse ziehen über den Einfluss der verschiedenen Antirheumatika- Typen oder sogar einzelner Substanzen auf die Infarkthäufigkeit. Sie zeigen jedoch übereinstimmend, dass ein Unterschied besteht zwischen Celecoxib und Rofecoxib bezüglich der kardiovaskulären Nebenwirkungen. Dass dies einen Klasseneffekt ausschlösse, ist aber nicht gesagt, könnte doch der kleine pharmakologische Unterschied der beiden Substanzen in Bezug auf die Spezifität der COX-Hemmung den Unterschied im Nebenwirkungsspektrum erklären. (Die Hemmung der COX-2 durch Rofecoxib ist spezifischer als durch Celecoxib).

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

1    Solomon SD, McMurray JJ, Pfeffer MA et al. Cardiovascular risk associated with celecoxib in a clinical trial for colorectal adenoma prevention. N Engl J Med 2005 (17.März); 352: 1071-80

 

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