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Diagnose einer Osteomyelitis bei Diabeteskranken

m -- Butalia S, Palda VA, Sargeant RJ et al. Does this patient with diabetes have osteomyelitis of the lower extremity? JAMA 2008 (20. Februar); 299: 806-13 [Link]
Zusammengefasst von:
Kommentiert von: Hak Hong Keo
infomed screen Jahrgang 12 (2008) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: Mai 2008

Studienziele
Die Diagnose einer Osteomyelitis der unteren Extremität ist bei Personen mit Diabetes mellitus wegen Fehlen der klassischen Infektzeichen oft schwierig. In der vorliegenden systematischen Übersichtsarbeit wurde die Wertigkeit von klinischen Zeichen und diagnostischen Tests für diese Diagnose untersucht.

Methoden
Für diese Übersichtsarbeit wurden Studien berücksichtigt, in denen die Ergebnisse diagnostischer Tests bei Osteomyelitis mit dem Resultat einer Knochenbiopsie als Goldstandard verglichen wurden. Zum Nutzen der MRI-Untersuchung wird eine vor kurzem veröffentlichte Meta-Analyse zitiert.

Ergebnisse
Insgesamt entsprachen 21 Studien den Einschlusskriterien, einige Zeichen und Tests wurden jedoch nur in je einer Studie untersucht. Die aussagekräftigsten klinischen Zeichen waren eine Ulkus-Fläche von mehr als 2 cm² und Knochenkontakt bei Sondieren des Ulkusgrundes: bei Personen mit einer Osteomyelitis kamen diese Befunde sechs- bis siebenmal häufiger vor. Eine Blutsenkungsreaktion von mehr als 70 mm/h war bei einer Osteomyelitis rund elfmal, ein pathologischer Befund im konventionellen Röntgenbild etwa doppelt so häufig. Ein normales MRI hingegen macht die Diagnose Osteomyelitis äusserst unwahrscheinlich.

Schlussfolgerungen
Grösse des Ulkus, Knochenkontakt beim Sondieren, erhöhte BSR und auffällige Befunde in der konventionellen Radiologie helfen bei der Diagnose einer Osteomyelitis bei Diabeteskranken. Ein normales MRI schliesst eine solche weitgehend aus. Die Aussagekraft der vorliegenden Übersichtsarbeit wird durch kleine Fallzahlen und die oft zweifelhafte Studienqualität eingeschränkt. Auch wurde der diagnostische Nutzen von Befundkombinationen nicht untersucht.

Zusammengefasst von Alexandra Röllin

Die Diagnose einer Osteomyelitis der unteren Extremität stellt bei Personen mit Diabetes mellitus eine grosse Herausforderung dar. Kein einzelner Test kann sie zuverlässig ausschliessen oder bestätigen. Obwohl die «Likelihood Ratios» für einen positiven Test in dieser Meta-Analyse moderat sind, können sie manchmal doch wichtige Veränderungen der Vortestwahrscheinlichkeit bewirken und somit eine hohe Nachtestwahrscheinlichkeit für das Vorliegen der vermuteten Krankheit erzeugen. Wesentlich ist auch, dass ein normales MRI eine Osteomyelitis bei Personen mit Diabetes mellitus und klinischem Verdacht weitgehend ausschliesst. Zu beachten ist, dass diese Übersichtsarbeit lediglich 21 Studien einschloss und davon sind die meisten von retrospektivem Charakter mit geringer Datenqualität. Nichtsdestotrotz helfen uns die Resultate, im klinischen Alltag wichtige Entscheidungen zu treffen. Offen bleibt die diagnostische Wertigkeit einer Kombination verschiedener Tests.

Hak Hong Keo

 

Standpunkte und Meinungen

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Diagnose einer Osteomyelitis bei Diabeteskranken (Mai 2008)
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