Erhöhte Leberwerte unter Paracetamol

  • r -- Watkins PB, Kaplowitz N, Slattery JT et al. Aminotransferase elevations in healthy adults receiving 4 grams of acetaminophen daily: a randomized controlled trial. JAMA 2006 (5. Juli); 296: 87-93 [Link]
  • Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 10
    Datum der Ausgabe: Oktober 2006

Paracetamol (Panadol® u.a.) gilt als Analgetikum der ersten Wahl bei Schmerzen verschiedenster Genese. In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert, Paracetamol höher zu dosieren als früher. Für Erwachsene werden heute Dosierungen bis zu viermal täglich 1'000 mg p.o. empfohlen. Eine Studie mit einem Kombinationspräparat mit Paracetamol und Hydrocodon (in der Schweiz nicht im Handel) musste abgebrochen werden, weil bei vielen Untersuchten zum Teil stark erhöhte Leberwerte aufgefallen waren. In der aktuellen Studie wurden daraufhin 145 gesunde, sonst unbehandelte Erwachsene untersucht, die nach dem Zufall für 14 Tage viermal täglich Placebo, 1'000 mg Paracetamol allein oder in Kombination mit Morphin, Hydrocodon oder Oxycodon (Oxycontin®, Oxynorm®) erhielten.

In der Placebogruppe wurde bei 38% mindestens einmal eine erhöhte Alanin-Aminotransferase-Aktivität (ALAT, GPT) gemessen. Nur bei einer Person überschritt der Wert das Doppelte der oberen Norm (80 U/l). Demgegenüber waren ALAT-Erhöhungen in den Paracetamolgruppen fast doppelt so häufig (76% mit mindestens einem erhöhten ALAT-Wert) und deutlich schwerer: bei 39% wurde mindestens ein Wert über dem Dreifachen der oberen Norm (120 U/l) gemessen. Dies, obwohl in keinem Fall Paracetamol-Spiegel oberhalb des «therapeutischen Bereichs» gemessen wurden. Die Werte normalisierten sich nach Absetzen der Behandlung relativ langsam. Zwischen der Monotherapie und den Kombinationen mit Opiaten fanden sich in Bezug auf die Leberwerte keine fassbaren Unterschiede.

Dass Paracetamol in hohen Dosen hepatotoxisch wirkt, wissen wir alle. Aber ein bisschen schockiert haben mich die Zahlen in dieser Studie trotzdem. Dass bei gesunden Erwachsenen, die keine zusätzlichen Medikamente einnehmen, unter heute gängigen «therapeutischen Dosen» drei Viertel erhöhte Transaminasen und fast die Hälfte Erhöhungen auf das Dreifache der oberen Norm oder höher aufweisen, hätte ich nicht erwartet. Bei den genannten Häufigkeiten dürfte Paracetamol für einen erheblichen Anteil der Leberwertveränderungen, die wir in der Praxis antreffen, als (Mit-) Ursache in Frage kommen. Wenn wir daran denken, können wir wahrscheinlich einige überflüssige Untersuchungen vermeiden.

Zusammengefasst von Peter Ritzmann

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Erhöhte Leberwerte unter Paracetamol (Oktober 2006)