Endlich verfügbar! Unser beliebter Medikamentenführer "100 wichtige Medikamente" ist nun in einer neuen Ausgabe erhältlich. Bestellen Sie hier dieses wichtige Hilfsmittel für die tägliche Praxis.

Bestellen!

infomed-screen

Thalidomid heilt Aphthen bei HIV-Patienten

r -- Jacobson JM, Grennspan JS, Spritzler J et al. Thalidomide for the treatment of oral aphthous ulcers in patients with human immunodeficiency virus infection. N Engl J Med 1997 (22. Mai); 336: 1487-93 [Link]
Kommentiert von: Manuel Battegay
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: August 1997

Studienziele

Die meisten Therapien ulzeröser Aphthen der Mundhöhle bei Personen mit AIDS sind unbefriedigend. In Einzelfällen waren jedoch Erfahrungen mit Thalidomid ermutigend. In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von Thalidomid bei Aphthen der Mundhöhle sowie der Einfluss des Medikaments auf die AIDS-Viruskonzentration (HIV-RNS) und den Tumor-Nekrose-Faktor a (TNF-a ) im Plasma untersucht.

Methoden

Zwischen Februar 1994 und Oktober 1995 wurden 57 an AIDS erkrankte Personen mit Aphthen der Mundhöhle an 19 amerikanischen Zentren nach dem Zufall während 4 Wochen entweder mit 2mal 100 mg Thalidomid täglich oder mit Placebo behandelt. Es wurden wöchentlich klinische Kontrollen durchgeführt und mittels eines Fragebogens unter anderem die Schmerzintensität und Schwierigkeiten beim Essen erfragt. Jede zweite Woche erfolgten Blutentnahmen.

Ergebnisse

Die Aphthen waren unter Thalidomid bei 16 Personen (55%) nach 4 Wochen vollständig abgeheilt, unter Placebo bei 2 Personen (7%). Verglichen mit Placebo verschwanden die Schmerzen und die Schwierigkeiten beim Essen rascher. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Somnolenz (unter Thalidomid 24%, unter Placebo 7%) und Hautausschläge (24% bzw. 4%). Sechs Personen brachen die aktive Behandlung ab, eine Person die Placebo-Behandlung. Gegenüber der Placebogruppe kam es unter Thalidomid zu einem statistisch signifikanten Anstieg der HIV-RNS und des TNF-a .

Schlussfolgerungen

Bei Personen mit einer AIDS-Erkrankung können ulzeröse Aphthen der Mundhöhle und des Rachens mit Thalidomid wirksam behandelt werden. In Anbetracht des HIV-RNS-Anstiegs raten die Studienautoren von einer längeren Thalidomidbehandlung ab.

Orale aphthöse Ulzera sind bei Personen mit fortgeschrittener AIDS-Erkrankung ein schwerwiegendes Problem. Die in Einzelfällen festgestellte günstige Wirkung von Thalidomid wird in dieser Studie bestätigt. Thalidomid ist wegen seiner bekannten teratogenen Effekte, die bereits nach einer einzigen Dosis auftreten können, nicht im Handel. Wenn eine Indikation zur Verwendung dieses Mittels vorliegt, muss deshalb bei Frauen folgendes beachtet werden: Strenge Kontraindikation bei Frauen im gebärfähigen Alter. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann das Mittel eingesetzt werden, wenn eine zuverlässige Kontrazeption, regelmässige Schwangerschaftstests und das schriftliche Einverständnis der Patientin vorliegt. Thalidomid wird wegen der schlafinduzierenden Wirkung am besten abends gegeben. Bei rezidivierenden Ulzera kann präventiv eine reduzierte Erhaltungsdosis verabreicht werden.

Manuel Battegay

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 1 -- No. 7
Infomed Home | infomed-screen Index
Thalidomid heilt Aphthen bei HIV-Patienten (August 1997)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Übersicht
aAndere Studienart