Selber antikoagulieren bringt wenig Vorteile

  • r -- Fitzmaurice DA, Murray ET, McCahon D et al. Self management of oral anticoagulation: a randomised trial. BMJ 2005 (5. November); 331: 1057-63 [Link]
  • Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 2
    Datum der Ausgabe: Februar 2006

Selbstkontrolle bei der Antikoagulation wird in der medizinischen Literatur recht positiv bewertet, obwohl die Vorteile nicht so recht ins Auge springen. In England, wo im nationalen Gesundheitssystem eine gute, konstante Antikoagulation die Regel ist, wurde der Frage nachgegangen, ob eine Selbstkontrolle wirklich ebenbürtig oder besser sei. Aus verschiedenen Gruppenpraxen wurden 2’470 antikoagulierte Personen angeschrieben, von denen 617 bei der Studie mitmachten. Sie wurden randomisiert in eine Gruppe mit Selbstkontrolle (Selbstbestimmung des INR alle 2 Wochen und Dosisanpassung gemäss einem Schema sowie Kontrolle beim Hausarzt alle 3 Monate) und eine Kontrollgruppe, die wie üblich kontrolliert wurde.

In der Gruppe mit Selbstbestimmung war das Durchschnittsalter deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe. Nach der Instruktionszeit hörten 28% mit der Selbstkontrolle wieder auf. In beiden Gruppen waren die unerwünschten Ereignisse ähnlich häufig: Blutungen 0,5 pro 100 Patientenjahre in der Selbstkontrollgruppe und 1,5 in der Kontrollgruppe, Thrombosen 1,4 bzw. 1,1. Der Prozentsatz der Zeit mit guter Gerinnungskontrolle war ebenfalls vergleichbar: 70% gegenüber 68%. Nur in der Subgruppe mit «Ziel-INR von 3,5» ergab sich in der Selbstkontrollgruppe eine Verbesserung der Zeit mit gutem INR-Wert von 45% vor der 12monatigen Studienphase zu 55% während der Studienphase.

Es war bekannt, dass mit der Selbstkontrolle bei gut ausgewählten Personen die Antikoagulation lediglich gleich gut eingestellt werden kann wie in spezialisierten Antikoagulationszentren. Die vorliegende Studie zeigt für Behandelte im englischen nationalen Gesundheitssystem ebenfalls keine Verbesserung der Antikoagulation durch Selbstkontrolle. Bemerkenswert ist, dass die INR-Werte sowohl bei einer Selbstkontrolle wie bei einer normalen Praxiskontrolle während etwa 70% der Zeit im therapeutischen Bereich lagen, während in einer früheren spanischen Studie die INR-Werte nur in 59% der Zeit im gewünschten Bereich waren.1 Antikoagulation durch Selbstkontrolle bringt wenig Vorteile.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

1     infomed-screen Mai/Juni 2005: Menéndez-Jándula B, Souto JC, Oliver A et al. Comparing self-management of oral anticoagulant therapy with clinic management. Ann Intern Med 2005 (4. Januar); 142: 1-10

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infomed-screen 10 -- No. 2
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Selber antikoagulieren bringt wenig Vorteile (Februar 2006)