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Verhindern Betablocker Ösophagusvarizen?

  • r -- Groszmann RJ, Garcia-Tsao G, Bosch J et al. Beta-blockers to prevent gastroesophageal varices in patients with cirrhosis. N Engl J Med 2005 (24.November); 353: 2254-61 [Link]
  • Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
  • infomed screen Jahrgang 10 (2006) , Nummer 2
    Datum der Ausgabe: Februar 2006

Die Ösophagusvarizenblutung ist die gefürchteste Komplikation des erhöhten portalen Druckes bei Personen mit Leberzirrhose. Nicht-selektive Betablocker haben eine anerkannte Indikation in der Sekundärprophylaxe nach einer Blutung. Ob sie auch in der primären Verhütung von Varizen bei Kranken mit Zirrhose wirksam sind, ist noch nicht abschliessend untersucht. In der vorliegenden Multizenter-Studie wurden 213 Personen mit nachgewiesener Zirrhose und erhöhter porto-cavaler Druckdifferenz, aber ohne endoskopisch nachgewiesene gastro-ösophageale Varizen in zwei Gruppen randomisiert: Eine Gruppe erhielt Timolol, einen nicht-selektiven Betablocker (in der Schweiz kein orales Präparat erhältlich) in einer vorher eintitrierten Dosis, der anderen wurde ein Placebo verabreicht.

Nach einer medianen Beobachtungszeit von fast 5 Jahren fand sich kein Unterschied zwischen den zwei Gruppen bezüglich des primären Endpunktes (Auftreten von gastroösophagealen Varizen bei der jährlichen Endoskopie, oder Varizenblutung). Auch bezüglich Aszites, Enzephalopathie, Lebertransplantation oder Tod fehlte ein Vorteil der Behandlung. In der Timololgruppe war hingegen das Auftreten schwerer Nebenwirkungen (Bradykardie unter 50/Min., starke Müdigkeit, Atemnot, Claudicatio, Synkope, Impotenz) signifikant häufiger (18%) als in der Placebogruppe (6%, «number needed to harm» = 8). Unabhängig von der Behandlung fand sich eine starke Korrelation zwischen der porto-cavalen Druckdifferenz und dem Erreichen des primären Endpunktes.

Obwohl Betablocker das Wiederauftreten von Varizenblutungen bei Personen mit einer Leberzirrhose etwas vermindern, scheinen sie in der Primärprophylaxe keinen Platz zu haben. In dieser Studie könnte der Effekt zwar unterschätzt worden sein, da eine «intention to treat»-Analyse gemacht wurde und bei 25 Personen der Timololgruppe das Medikament abgesetzt werden musste. Aber das Ausmass der Nebenwirkungen würde einen kleinen verpassten positiven Effekt wohl bei Weitem überragen.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

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infomed-screen 10 -- No. 2
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Verhindern Betablocker Ösophagusvarizen? (Februar 2006)