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Viele negative Studien «verschwinden»

a -- Decullier E, Lhéritier V, Chapuis F. Fate of biomedical research protocols and publication bias in France: retrospective cohort study. BMJ 2005 (2. Juli); 331: 19-24 [Link]
Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: Oktober 2005

Man weiss, dass viele Studien der klinischen Forschung nie publiziert werden und aus Untersuchungen in verschiedenen Ländern wissen wir, dass vor allem negative Ergebnisse seltener veröffentlicht werden. Dies führt bei systematischen und unsystematischen Reviews immer zu Unsicherheit über deren Aussagewert. Genauere Zahlen über diesen «publication bias» sind dringend von Nöten.

In Frankreich müssen landesweit seit 1988 alle klinischen Studien einer von 48 nationalen Ethik-Kommissionen gemeldet werden. Diese registrieren und beurteilen die eingereichten Gesuche nach einheitlichen Kriterien. Aus den Archiven wurden für die vorliegende Untersuchung alle 982 Gesuche von 25 zufällig ausgewählten Kommissionen eingeschlossen, die im Jahre 1994 eingereicht worden sind. Von den an die Gesuchsteller versandten Fragebögen kamen 66% zurück und konnten ausgewertet werden, davon betrafen 68% Medikamentenstudien. 10% der Studien wurden gar nie begonnen, 86% wurden zu Ende geführt. Von diesen wurden aber nur 38% schlussendlich publiziert! Als wichtigste Faktoren für eine Publikation wurden eruiert: «positives Resultat», «multinationale Studie» und «Interims- Analyse». Auch die Zeit bis zur Publikation war stark unterschiedlich: Positive Resultate wurden durchschnittlich 5 Jahre, negative 7 Jahre nach Studienbeginn publiziert.

Das Resultat bestätigt einmal mehr, dass negative Resultate nicht «interessant» zu sein scheinen. Wer da jedoch am wenigsten Interesse hat, bleibt ungeklärt. Sind es die Journals? Eher nein, da nur 5% der Antwortenden «Absage durch eine Zeitschrift» als Grund für die Nicht-Publikation angaben. Es bleiben also die Forschenden selber und die Sponsoren. Sicher wäre allen gedient, wenn bald eine Pflicht bestünde, alle Studien in einem öffentlich zugänglichen Register publik zu machen. Das wäre ehrlich gegenüber der Wissenschaft und sicher eine Entlastung für die Forschenden. Dass neuerdings einige wichtige Zeitschriften nur noch Studien publizieren wollen, die in einem solchen Register aufgeführt worden sind, wird wohl den Druck für deren Einführung erhöhen.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

 

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Viele negative Studien «verschwinden» (Oktober 2005)
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