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Können Wochenbett-Depressionen verhindert werden?

m -- Dennis CL. Psychosocial and psychological interventions for prevention of postnatal depression: systematic review. BMJ 2005 (2. Juli); 331: 15-22 [Link]
Zusammerfasser(in): Thomas Weissenbach
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: Oktober 2005

Studienziele
Frühere Studien zeigten eine Prävalenz von 13% für die Entwicklung einer Depression bei Frauen in den ersten 3 Monaten nach einer Niederkunft. Die vorliegende systematische Übersicht hatte zum Ziel, die Auswirkungen von psychosozialen und psychotherapeutischen Interventionen zur Vorbeugung von postpartalen Depressionen zu beurteilen.

Methoden
Die Autorin suchte systematisch nach randomisierten Studien, in welchen psychosoziale oder psychotherapeutische Interventionen zur Prävention nachgeburtlicher Depressionen mit einer üblichen Betreuung vor, während und nach der Geburt verglichen wurden.

Ergebnisse
Für die systematische Übersicht konnten 15 Studien mit insgesamt 7'697 Frauen berücksichtigt werden. Die Studienresultate waren heterogen. Alle Interventionen zusammengenommen zeigte die Meta-Analyse keine statistisch signifikante Wirksamkeit zur Prävention von nachgeburtlichen Depressionen (relatives Risiko 0,81; 95%-CI 0,65-1,02). Einzeln betrachtet war die Intervention mit der am besten belegten Wirksamkeit eine intensive, individuelle nachgeburtliche Betreuung zu Hause durch medizinische Fachpersonen. Insgesamt erschienen Interventionen wirksamer, die erst nach der Geburt durchgeführt wurden und individuelle Interventionen erschienen wirksamer als solche, die mit Gruppen arbeiteten.

Schlussfolgerungen
Insgesamt ist die Wirksamkeit von psychosozialen und psychotherapeutischen Interventionen zur Prävention nachgeburtlicher Depressionen ungenügend belegt. Gemäss dieser systematischen Übersicht ist eine intensive, professionelle Unterstützung nach der Geburt die am besten dokumentierte Intervention.

Zusammengefasst von Thomas Weissenbach

Die vorliegende Studie illustriert zunächst, dass auch im Bereich psychosozialer/psychotherapeutischer Interventionen adäquate Untersuchungen durchgeführt werden (können). Das Nullergebnis sollte aber kritisch relativiert werden: Meta-Analysen – ohne damit deren Wert grundsätzlich in Frage stellen zu wollen – homogenisieren per se Unterschiede, was vor allem bei wenig standardisierten, heterogenen Interventionen problematisch sein dürfte. Die Bandbreite der einbezogenen «diverse psychosocial and psychological interventions » ist denn auch beträchtlich. Da wären neben einer globalen Auswertung vielleicht folgende Fragen von zusätzlichem Interesse: Was haben die drei Studien mit einem positiven Ergebnis an sich? Zwei davon sind angesichts der etwas kleineren Teilnehmerzahl (n=103 bzw. n=114) und eines minimalen abschliessenden Rücklaufes weniger relevant, im Unterschied zur dritten grösseren Studie (n=2’064) mit einem vergleichsweise hohen Rücklauf von 27%:1 Hier wird der Wert einer flexiblen, individualisierten, poststationären Nachsuche aufgewiesen. Müsste nicht doch – gerade bezugnehmend auf die präventive Zielsetzung – eine differenziertere Risikofaktorenanalyse durchgeführt werden, zu Gunsten dann selektiverer Interventionen? Zu bedenken wäre u.a. ein ungünstiger Verlauf früherer Schwangerschaften oder der Platz der aktuellen Schwangerschaft/Geburt im individuellen Kontext der Familien- und Lebensplanung. So gesehen vermag die Studie den selbst konzedierten «complex interactions of social risk factors with individual variations» nicht genügend Rechnung zu tragen.

Peter Zingg-Müller

1   MacArthur C, Winter HR, Bick DE et al. Effects of community postnatal workers on women’s health 4 months after birth: a cluster randomised controlled trial. Lancet 2002; 359; 378-85

 

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