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Erhöhten Augendruck immer behandeln?

m -- Maier PC, Funk J, Schwarzer G et al. Treatment of ocular hypertension and open angle glaucoma: meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ 2005 (16. Juli); 331: 134-9 [Link]
Zusammengefasst von:
Kommentiert von: Matthias Grieshaber
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: Oktober 2005

Studienziele
Das Glaukom ist die häufigste Erblindungsursache in industrialisierten Ländern. Ein erhöhter Augeninnendruck ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung eines Offenwinkelglaukoms. Viele Personen mit erhöhtem Augeninnendruck entwickeln aber nie ein Glaukom und eine bedeutende Anzahl von Personen mit Offenwinkelglaukom weisen keinen erhöhten Druck auf. Die systematische Übersicht fasst die Datenlage zur Wirksamkeit einer Behandlung eines erhöhten Augeninnendruckes zusammen.

Methoden
Die systematische Literatursuche erfasste randomisierte Studien, in denen die Wirksamkeit einer Augendruck-senkenden Behandlung (medikamentös oder chirurgisch) über mindestens 1 Jahr untersucht wurden war. Gesucht wurden Studien bei Personen mit erhöhtem Augeninnendruck wie auch Studien bei Personen mit einem manifesten primären Offenwinkelglaukom (mit und ohne erhöhten Augeninnendruck). Als Endpunkte dienten der Gesichtfeldausfall und Veränderungen der Papille.

Ergebnisse
Von den insgesamt 1’213 gefundenen Studien erfüllten nur gerade 7 Studien die Kriterien zur Aufnahme in die Meta- Analyse. Dabei wurde die Wirksamkeit der Drucksenkung in 5 Studien (2’326 Personen) bei erhöhtem Augeninnendruck und in 2 Studien (400 Personen) bei primärem Offenwinkelglaukom untersucht. In den 5 Studien bei erhöhtem Augeninnendruck konnte das Auftreten eines manifesten Glaukoms signifikant verzögert werden («hazard ratio» 0,56). Gemäss der Metaanalyse müssen immerhin 12 Personen während 5 Jahren behandelt werden, um eine Glaukomerkrankung zu verhindern (NNT von 12). In den 2 Studien bei Personen mit primärem Offenwinkelglaukom führte die Drucksenkung zu einer signifikanten Verzögerung der Abnahme der Sehleistung (HR 0,65; NNT von 7). In der Untergruppe der Kranken mit Offenwinkelglaukom ohne erhöhten Druck konnte keine Wirksamkeit belegt werden .

Schlussfolgerungen
Bei Personen mit erhöhtem Augeninnendruck verzögert die Drucksenkung das Auftreten eines manifesten Glaukoms. Bei Personen mit einem manifesten Offenwinkelglaukom führt die Drucksenkung zu einer Verzögerung der Abnahme der Sehleistung. Beim Offenwinkelglaukom mit normalem Augendruck ist die Wirksamkeit einer Drucksenkung unklar.

Zusammengefasst von Thomas Koch

Diese Meta-Analyse bestätigt, was schon seit Jahrzehnten bekannt ist, dass eine Senkung des Augeninnendruckes für den Verlauf des Glaukoms, insbesondere des sogenannten Hochdruckglaukoms, günstig ist. Bei der Behandlung von Personen mit okulärer Hypertension stellt sich aber nicht nur die Frage nach der Wirkung der drucksenkenden Therapie, sondern vielmehr, ob die Indikation zur Drucksenkung bei jedem Kranken mit okulärer Hypertension bei einer «number needed to treat» von 12 gerechtfertigt ist. Denn der Entscheid für eine Therapie ist sowohl für den Kranken, aber auch für die Kostenträger von weittragender Konsequenz. Deshalb muss bei okulärer Hypertension vermehrt rational nach sozio-ökonomischen Aspekten entschieden werden, insbesondere weil eine Progression zum manifesten Glaukom heute frühzeitig erkannt und adäquat behandelt werden kann.

Matthias Grieshaber

 

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Erhöhten Augendruck immer behandeln? (Oktober 2005)
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