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Körperfülle lässt Vorhöfe flimmern

k -- Frost L, Hune LJ, Vestergaard P. Overweight and obesity as risk factors for atrial fibrillation or flutter: The Danish Diet, Cancer, and Health Study. Am J Med 2005 (Mai); 118: 489-95. [Link]
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infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: August 2005

Studienziele
Einerseits ist bekannt, dass für das Auftreten eines Vorhofflimmerns eine kritische Vorhofsmasse notwendig ist. Anderseits besteht eine strenge Korrelation zwischen Vorhofsgrösse und Körpergewichtsindex (BMI). In der vorliegenden Arbeit wurde deshalb untersucht, ob aufgrund dieser beiden Erkenntnisse auch eine direkte Assoziation zwischen BMI und dem Auftreten eines Vorhofflimmerns oder -flatterns besteht.

Methoden
Ausgewertet wurden die Daten der prospektiven «Diet, Cancer and Health»-Kohortenstudie, die von 1993 bis 1997 in Dänemark durchgeführt wurde. Das Auftreten eines Vorhofflimmerns wurde aufgrund der nationalen Patientendatenbank ermittelt, in der seit 1977 sämtliche Hospitalisationen mit den entsprechenden Austrittsdiagnosen erfasst werden. Um möglichst die Inzidenz von neu aufgetretenem Vorhofflimmern zu erfassen, wurden Personen, die vor Studienbeginn mit einem endokrinen oder einem kardiovaskulären Leiden (ohne Hypertonie) hospitalisiert waren, nicht berücksichtigt.

Ergebnisse
47’589 Personen (Frauenanteil 55%) mit einem mittleren Alter von 56 Jahren wurden in die Studie aufgenommen. Während einer mittleren Beobachtungszeit von 5,7 Jahren trat bei 553 Personen neu ein Vorhofflimmern oder -flattern auf (372 Männer, 181 Frauen). Dies entspricht einer Inzidenz von 29 auf 10’000 Personenjahre für Männer und 12 auf 10’000 Personenjahre für Frauen. Bei beiden Geschlechtern zeigte sich eine deutliche Korrelation zum BMI. Ein Anstieg des BMI um 1 erhöhte das Risiko eines neuen Vorhofflimmerns bei Männern um den Faktor 1,08 und bei Frauen um den Faktor 1,06. Im Vergleich zu Normalgewichtigen (BMI 18,5-25) betrug das Risiko eines neuen Vorhofflimmerns für übergewichtige Männer (BMI 25-30) 1,75 und für adipöse Männer (BMI >30) 2,35, für übergewichtige Frauen 1,39 und für adipöse Frauen 1,99. Neu aufgetretene Zusatzerkrankungen wie Diabetes, Herzinsuffizienz oder eine koronare oder valvuläre Herzkrankheit hatten keinen Einfluss auf diese Korrelation.

Schlussfolgerungen
Die vorliegende Studie belegt eine direkte Assoziation zwischen dem BMI und dem Risiko eines neu auftretenden Vorhofflimmerns oder Vorhofflatterns. Diese Vorhofsrhythmusstörungen sind deshalb in die Liste der Erkrankungen aufzunehmen, welche durch Übergewicht verursacht werden.

Zusammengefasst von Werner Eugster

Aus dem Blickwinkel einer Praxisforschung wäre man mit einer Studie wesentlich glücklicher, die den Schluss zuliesse, eine Reduktion des Körpergewichts senke das Risiko einer Vorhofsarrhythmie. Damit stünden dann die Rhythmologen vor einem Paradigmawechsel – Ernährungsberatung anstelle von Amiodaron bzw. Kathetertechnik. Zur diesbezüglichen Unterstützung der Frontpraxis wären sie hoch willkommen, gibt es doch kaum etwas Frustrierenderes, als den Risikofaktor Adipositas zu «therapieren». Häufig ein Davidscher Kampf gegen Goliath, sprich den eines Frontdokotors gegen Kinderüberraschung, Milchschnitte, Coca-Cola, McDonald und wie sie alle heissen. Möglicherweise liesse sich bei den milliardenschweren und global tätigen Nahrungsmittelkonzernen ein neues Sponsorenfeld für praxisrelevante Forschung erschliessen?

Werner Eugster

 

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