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Vitamin E und Donepezil verhindern Demenz nicht

r -- Petersen RC, Thomas RG, Grundman M et al.; Alzheimer's Disease Cooperative Study Group. Vitamin E and donepezil for the treatment of mild cognitive impairment. N Engl J Med 2005 (9. Juni); 352: 2379-88 [Link]
Zusammengefasst von:
Kommentiert von: Peter Ritzmann
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: August 2005

Studienziele
Eine leichte kognitive Störung ist ein Übergangszustand zwischen dem physiologischen Gedächtnisverlust im Alter und einer Demenz. Pro Jahr entwickeln 10% bis 15% der Personen mit einer leichten kognitiven Störung eine Demenz, verglichen mit 1% bis 2% der übrigen Personen gleichen Alters. Es wäre von grossem Nutzen, wenn das Fortschreiten von einer leichten kognitiven Störung zu einer Demenz verhindert oder verzögert werden könnte. In dieser Studie wird die Wirkung von Vitamin E und Donepezil (Aricept®) untersucht.

Methoden
Personen mit einer leichten kognitiven Störung im Alter von 55 bis 90 Jahren konnten an der Studie teilnehmen. Sie wurden mit diversen Tests untersucht, nach dem Zufall in 3 gleich grosse Gruppen eingeteilt und während 3 Jahren entweder mit täglich 10 mg Donepezil, 2’000 IE Vitamin E oder Placebo behandelt. Alle 6 Monate wurden die Tests wiederholt. Primärer Endpunkt war die Diagnose einer möglichen oder wahrscheinlichen Alzheimer-Erkrankung.

Ergebnisse
769 Personen konnten in die Studie aufgenommen werden. Nach 3 Jahren hatte sich bei 214 von ihnen eine Demenz entwickelt. Als mögliche oder wahrscheinliche Alzheimer- Erkrankung klassiert wurden 63 (25%) in der Donepezil- Gruppe, 76 (30%) in der Vitamin E-Gruppe und 73 (28%) in der Placebo-Gruppe. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren nicht signifikant. Nach einem Jahr hatte sich noch ein signifikanter Vorteil von Donepezil gegenüber Placebo ergeben. Auch verschiedene Tests wie der «mini mental »-Status (MMSE) ergaben in den ersten 18 Monaten Vorteile für Donepezil, diese waren aber ebenfalls nach drei Jahren nicht mehr nachweisbar. In einer Untergruppe, bei den Trägern eines Apolipoprotein-E e4-Allels, war der Vorteil von Donepezil auch nach 3 Jahren noch nachweisbar. Die Mortalität war in den 3 Gruppen ungefähr gleich.

Schlussfolgerungen
Vitamin E verzögert den Übergang von einer leichten kognitiven Störung zu einer Demenz nicht. Unter Donepezil scheint der Übergang im ersten Jahr verzögert zu werden, nach 3 Jahren war aber kein Effekt mehr nachweisbar.

Zusammengefasst von Peter Koller

Die Studie zeigt überhaupt keinen Effekt von Vitamin E und einen äusserst bescheidenen von Donepezil auf den Übergang von einer leichten kognitiven Störung zu einer Demenz. Die messbaren Verbesserungen der kognitiven Fähigkeiten unter Donepezil sind von fraglicher klinischer Bedeutung und scheinen mit der Zeit ausserdem verloren zu gehen. Bis heute fehlen weiterhin Medikamente, die den Verlauf einer Alzheimer- Krankheit entscheidend zu beeinflussen vermögen. Umso wichtiger sind deshalb Anstrengungen, ungünstige Medikamente abzusetzen und die kognitiven Fähigkeiten mit einer interesseweckenden Umgebung und entsprechenden Aktivitäten zu fördern.

Peter Ritzmann

 

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Vitamin E und Donepezil verhindern Demenz nicht (August 2005)
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