Endlich verfügbar! Unser beliebter Medikamentenführer "100 wichtige Medikamente" ist sehr bald in einer neuen Ausgabe erhältlich. Bis Ende Januar 2020 können Sie das Buch zu stark reduziertem Preis bestellen.

Bestellen!

infomed-screen

Zunehmend Probleme mit Clostridien (Studie 2)

k -- Pépin J, Alary ME, Valiquette L et al. Increasing risk of relapse after treatment of Clostridium difficile colitis in Quebec, Canada. Clin Infect Dis 2005 (1. Juni); 40: 1591-7 [Link]
Zusammerfasser(in):
Kommentator(in): Hugo Sax
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: Juli 2005

Ein kanadisches Spital analysierte retrospektiv alle mit Clostridium difficile assoziierten Durchfall-Erkrankungen der Jahre 1991 bis 2004, die mit Metronidazol behandelt wurden. Bis im Jahr 2002 wurde bei etwa 10% der Behandelten sekundär Vancomycin (Vancocin®) per os eingesetzt. In den Jahren 2003 und 2004 schnellte der Vancomycin-Einsatz auf 26% hoch. Die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs verdoppelte sich ebenfalls (von 21% auf 47%). Als mögliche Gründe werden genannt: 1. Verzerrung durch häufigeres Erfassen von Therapieversagen wegen erhöhter Aufmerksamkeit im Rahmen der Clostridium-difficile-Epidemie. 2. Resistenzprobleme. 3. Zunahme der Virulenz. 4. Häufigere Reexposition wegen grösserer Zahl Infizierter in den Spitälern.

Beide Studien zusammengefasst von Franz Marty

Die beiden Publikationen zeugen von der in den letzten Jahren dramatisch zunehmenden Rate von pseudomembranöser Kolitis auf dem nordamerikanischen Kontinent. Gleichzeitig nimmt gemäss diesen Studien das Risiko für ein Therapieversagen unter Metronidazol zu. Es stellt sich nun unter anderem die Frage, ob das häufigere Therapieversagen aufgrund einer Antibiotikaresistenz oder geringerer Stuhlkonzentration im Zusammenhang mit Metronidazol zustande kommt. Obwohl darüber diskutiert wird, sind diese retrospektiven Studien nicht darauf ausgelegt, die Wirksamkeit von Vancomycin mit der von Metronidazol zu vergleichen.

In Europa und in der Schweiz gibt es bisher keine offiziellen Daten zur Inzidenz von pseudomembranöser Kolitis, geschweige denn zu Komplikationen und Therapieversagen. Es wäre jedoch an der Zeit, die Entwicklung aufmerksam − und möglichst auch systematisch − zu verfolgen. Ein Überspringen der amerikanischen Epidemie auf Europa ist in naher Zukunft ohne Gegenmassnahmen nämlich sehr wahrscheinlich. Dagegen sind zwei Abwehrmassnahmen wichtig: erstens das Einschränken des Antibiotikaverbrauchs und zweitens das Verstärken der präventiven Allgemeinmassnahmen gegen die Keimübertragung wie Händehygiene und Sauberkeit in den Spitälern und anderen Institutionen des Gesundheitswesens.


Hugo Sax

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 9 -- No. 7
Infomed Home | infomed-screen Index
Zunehmend Probleme mit Clostridien (Studie 2) (Juli 2005)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

Login

Passwort anfordern

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Ãœbersicht
aAndere Studienart