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Schwangerschaft: Risiko für Schlaganfall?

a -- Kittner SJ, Stern BJ, Feeser BR et al. Pregnancy and the risk of stroke. N Engl J Med 1996 (12. September); 335: 768-74
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 1997

Studienziele

Seit langem ist bekannt und dokumentiert, dass östrogenhaltige Ovulationshemmer das Risiko von zerebralen thromboembolischen Ereignissen erhöhen. Es wurde immer auch vermutet und in älteren Studien postuliert, dass das Risiko, einen Schlaganfall in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft zu erleiden, erhöht sei. Quantitative Daten, die diese Annahme erhärten würden, fehlten bisher jedoch weitgehend.

Methoden

In Maryland und Washington DC (USA) wurde eine retrospektive Studie durchgeführt, in der alle Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren erfasst wurden, die im Zeitraum von 1988 bis 1991 aus einem der 46 in den untersuchten Regionen gelegenen Spitäler mit der Diagnose eines Schlaganfalls entlassen worden waren. Die Krankengeschichten wurden unabhängig von zwei verschiedenen Neurologen beurteilt. Frauen, die zum Zeitpunkt des Schlaganfalls schwanger oder bis 6 Wochen vor dem zerebralen Ereignis schwanger waren, wurden der Risikogruppe zugeteilt. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Schwangerschaft mit einer Lebend- oder Totgeburt, einem induzierten oder spontanen Abort endigte.

Ergebnisse

Während oder innerhalb von 6 Wochen nach einer Schwangerschaft traten 17 zerebrale Infarkte und 14 intrazerebrale Blutungen auf. Ohne Beziehung zu einer Schwangerschaft wurden 175 ischämische Infarkte und 48 intrazerebrale Blutungen registriert. Das relative Risiko, während einer Schwangerschaft einen ischämischen zerebralen Insult zu erleiden, betrug 0,7, erhöhte sich aber in den ersten sechs postpartalen Wochen statistisch signifikant auf 8,7. Das relative Risiko für eine intrazerebrale Blutung während der Schwangerschaft betrug 2,5 und stieg in der postpartalen Phase auf 28,3. Insgesamt betrug das relative Risiko für beide Formen eines Schlaganfalls, die während der Schwangerschaft oder postpartal auftraten, 2,4. Die durch Schwangerschaft bedingte Risikoerhöhung machte absolut 8,1 Schlaganfälle auf 100'000 Schwangerschaften aus.

Schlussfolgerungen

Das Risiko, einen ischämischen zerebralen Infarkt oder eine intrazerebrale Blutung zu erleiden, ist während der Schwangerschaft nicht erhöht, steigt jedoch in den sechs Wochen nach der Geburt deutlich an.

Mit der vorliegenden Studie werden die Ergebnisse einer kürzlich publizierten französischen Studie bestätigt.1 Das Risiko, während einer Schwangerschaft einen Schlaganfall zu erleiden, ist nicht erhöht. Dies gilt jedoch nicht für die ersten 6 postpartalen Wochen. Zwar waren Eklampsie und präeklamptische Zustände die wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Dies erklärt jedoch nicht das erhöhte Erkrankungsrisiko während der postpartalen Periode. Die rasche Veränderung des Blutvolumens und die hormonelle Umstellung nach Beendigung der Schwangerschaft erhöhen möglicherweise durch Veränderung von Hämodynamik und Gerinnung das Risiko, ein zerebrales Ereignis zu erleiden. Andere, bereits vor der Schwangerschaft bestehende Risikofaktoren konnten weder in dieser Studie noch in früheren Studien eruiert werden. Dies bedeutet, dass solche schwerwiegenden Ereignisse offenbar als schicksalhaft anzusehen sind. Gefährdete Frauen können nicht frühzeitig identifiziert werden, um einen Schlaganfall mit medizinischen Mitteln verhindern zu können.

Benedikt Holzer

1 Sharshar T, Lamy C, Mas JL. Incidence and causes of strokes associated with
pregnancy and puerperium. Stroke 1995; 26: 930-6

 

Standpunkte und Meinungen

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