Pharma-Kritik

Midrodin bei orthostatischer Hypotonie

Urspeter Masche
pharma-kritik Jahrgang 38, PK997, Online-Artikel
Redaktionsschluss: 12. Oktober 2016
DOI: https://doi.org/10.37667/pk.2016.997
Obwohl der Nutzen von Midodrin bei orthostatischer Hypotonie nicht sehr gut belegt ist, kann bei Versagen anderer Massnahmen und bedeutsamer Beeinträchtigung der Lebensqualität ein Behandlungsversuch mit diesem Medikament vertretbar sein. Gänsehaut, Jucken der Kopfhaut und Miktionsprobleme sind mögliche Nebenwirkungen. Zu achten ist auf einen unerwünschten Anstieg des Blutdrucks im Liegen/Sitzen. 
Synopsis
Das sympathomimetisch wirkende Midodrin, das in der Schweiz unter dem Namen Gutron® seit langem zur Behandlung einer orthostatischen Hypotonie zur Verfügung steht, ist in Grossbritannien erst im letzten Jahr offiziell auf den Markt gekommen – was das «Drug and Therapeutics Bulletin» veranlasst hat, das Mittel ausführlicher vorzustellen  (1). Da Midodrin in unserer Zeitschrift bislang nur am Rande vorgekommen ist, in einer vor nahezu 30 Jahren erschienenen Nummer zur orthostatischen Hypotonie  (2), soll diese britische Übersicht im Folgenden zusammengefasst werden (in ergänzender, schweizadaptierter Form). Eine orthostatische Hypotonie liegt vor, wenn nach dem Aufstehen der systolische Blutdruck mindestens 20 mm Hg oder der diastolische mindestens 10 mm Hg absinkt. Normalerweise versucht der Körper, den Blutdruck beim Aufstehen auf dem bisherigen Niveau zu halten. Daran sind komplexe Mechanismen beteiligt, die über das autonome Nervensystem gesteuert werden. Versagen diese Mechanismen, fällt der Blutdruck beim Aufstehen (vorübergehend) ab, was Schwindel, Benommenheit, Ohnmachtsanfälle, Müdigkeitsgefühl oder Stürze verursachen kann. Mögliche Ursachen einer orthostatischen Hypotonie sind Nebenwirkungen von Medikamenten (Diuretika, Antidepressiva, Parkinsonmittel), Hypovolämie (ungenügendes Trinken, vermehrter Flüssigkeitsverlust), verstärkte Vasodilatation (Hitze, Alkoholwirkung) oder eine beeinträchtigte Herzfunktion; zu erwähnen sind auch Erkrankungen des autonomen Nervensystems, bei denen sich primäre Formen (Pandysautonomie [Bradbury-Eggleston-Syndrom], Multisystematrophie [Shy-Drager-Syndrom]) von sekundären (Diabetes mellitus, Parkinsonsyndrom) abgrenzen lassen. Aus dieser Aufzählung lässt sich ableiten, dass die orthostatische Hypotonie ein vor allem bei älteren Personen vorkommendes Problem ist. Die Behandlung einer

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