Pharma-Kritik

Prednicarbat

pharma-kritik Jahrgang 15, Nummer 15, PK513
Redaktionsschluss: 14. August 1993
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Synopsis

Prednicarbat (Prednitop®) ist ein lokal anwendbares Kortikosteroid, das zur Behandlung entzündlicher, nicht-infizierter Hauterkrankungen empfohlen wird.

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Chemie/Pharmakologie

Prednicarbat ist ein zweifach verestertes, nicht-halogeniertes Prednisolonderivat. Seine entzündungshemmende Wirkung entspricht etwa derjenigen der stark wirksamen Kortikosteroide der Klasse III, die fast alle halogenhaltig sind. In Hautverdünnungstesten an gesunden Versuchspersonen wirkte Prednicarbat teils weniger stark, teils ähnlich hautverdünnend wie andere Kortikosteroide vergleichbarer Wirkstärke.

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Pharmakokinetik

Im Tiermodell wird Prednicarbat in der Haut rasch in den Monoester gespalten und dann langsamer zu Prednisolon abgebaut. Der Monoester gilt wegen seiner hohen Affinität zum Glukokortikoid-Rezeptor als wirksamer als Prednicarbat oder Prednisolon. Die Penetration durch die Haut ist gering. Auf gesunder Haut wurden unter Okklusion während 12 Stunden 30 g einer 0,25%igen Prednicarbat- Salbe appliziert; dabei konnten weder Prednicarbat noch seine Metaboliten im Blut nachgewiesen werden.

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Klinische Studien

Prednicarbat wirkte in mehreren Doppelblindstudien signifikant besser als Placebo: Bei atopischer Dermatitis und Kontaktdermatitis konnten mit der kortikoidhaltigen Salbe oder Crème bei etwa 80 bis 90% der Patienten gute bis sehr gute Heilerfolge erreicht werden, während sich ähnlich gute Resultate mit der Salbengrundlage allein nur bei 25 bis 50% ergaben.
Verschiedene Studien dienten dem Vergleich mit anderen stark wirksamen Kortikosteroiden. Bei 57 Patienten mit mässig bis stark ausgeprägter Psoriasis wurde Prednicarbat (0,25%) während drei Wochen zweimal täglich aufgetragen und wirkte bei 78% der Patienten gut bis sehr gut auf Schuppung, Plaques, Pruritus und Erythem. Mit dem fluorhaltigen Vergleichspräparat Desoximetason (Topisolon ®, 0,25%) wurde bei 90% der Behandelten eine entsprechende Besserung erreicht. Dieser Unterschied war nicht signifikant, die Wirkung trat jedoch mit Desoximetason schneller ein.(1)Prednicarbat war auch ähnlich wirksam wie Fluocortolon (Ultralan®), Fluocinolonacetonid (Synalar®) und Betamethasonvalerat (Betnovate®, Celestoderm V®).
Bei Kontaktdermatitis und atopischer Dermatitis ergaben Prednicarbat, Betamethasonvalerat, Desoximetason und Fluocortolon in vier Studien bei 306 Patienten nach einer 14tägigen Behandlung vergleichbare Erfolgsraten von 77 bis 96%. In einer Doppelblindstudie mit 165 Patienten war Prednicarbat-Crème jedoch signifikant weniger wirksam als Halometason-Crème (0,05%, Sicorten®).
In unkontrollierten Studien hat Prednicarbat bei seborrhoischem Ekzem, Lichen planus und anderen Dermatosen meistens zu befriedigenden Heilungserfolgen geführt. Vergleiche mit anderen halogenfreien Kortikosteroiden wie Desonid (Sterax®) oder Hydrocortisonbutyrat (Locoid®) liegen nicht vor.

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Unerwünschte Wirkungen

Prednicarbat führt bei etwa 3% der Behandelten zu Hautreaktionen (Brennen, Juckreiz, Ausschläge, trockene Haut). Kontaktallergien sind selten. Typische steroidinduzierte lokale Reaktionen wie Hautatrophie, Teleangiektasien, Steroidrosazea, Steroidakne, periorale Dermatitis wurden in den kurzen Studien (2 bis 4 Wochen) nur äusserst selten beobachtet. Dies trifft aber auch auf die in den Studien verwendeten Vergleichspräparate (Desoximetason usw.) zu. In einer Langzeitstudie, in der 189 Patienten intermittierend zwölfmal während 20 Tagen mit Prednicarbat behandelt wurden, brachen fünf Personen (etwa 2,5%) wegen unerwünschten Wirkungen die Behandlung ab.(2) In einer Klinik wurden unter Prednicarbat innerhalb eines Jahres fünf Fälle von Gesichtshautschädigungen beobachtet. Ein Patient entwickelte eine schwere Steroidrosazea schon nach zweimonatiger täglicher Anwendung, die übrigen nach längerer, meistens intermittierender Behandlung mit total 30 bis 40 g Salbe.(3) Die Cortisolproduktion war bei Kindern und Erwachsenen mit ausgedehnten Dermatosen nach 4- bis 14tägiger Prednicarbatbehandlung nicht vermindert.

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Dosierung, Verabreichung, Kosten

Prednicarbat (Prednitop®) ist als 0,25%ige Fettsalbe, Salbe, Crème und alkoholisch-wässerige Lösung erhältlich. Die Präparate werden 2mal täglich dünn aufgetragen und leicht eingerieben. Ein Behandlungszyklus sollte nicht länger als zwei bis drei Wochen dauern, im Gesicht und in der Genitalregion nicht länger als eine Woche. Das Medikament darf nicht in Augennähe aufgetragen werden. Prednicarbat soll während der Schwangerschaft nicht grossflächig oder über längere Zeit verwendet werden. 30 g Salbe kosten Fr. 20.50, d.h. ungefähr gleich viel wie andere Kortikosteroide vergleichbarer Stärke.

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Kommentar

Prednicarbat ist ein lokal wirksames Kortikosteroid, das zur Klasse der hochwirksamen Präparate (Klasse III) gerechnet werden kann. Ob es gerechtfertigt ist, das neue Mittel einer speziellen Gruppe («Soft-Kortikosteroid der vierten Generation ») zuzuordnen, ist aufgrund der vorliegenden klinischen Studien (die fast ausnahmslos von kurzer Dauer waren) nicht zu entscheiden. Vergleiche mit anderen stark wirksamen, halogenfreien Präparaten fehlen. Trotz den günstig erscheinenden experimentellen Daten empfiehlt es sich, Prednicarbat wie andere stark wirksame Kortikosteroide mit Vorsicht einzusetzen.

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Literatur

  1. Bjerke JR et al. Clin Trials J 1990; 27: 94-9
  2. Schmitt EW et al. Z Hautkr 1989; 64 (Suppl 1): 56-60
  3. Lubach D, Platschek H. Hautarzt 1990; 41: 43-5
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Standpunkte und Meinungen

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pharma-kritik, 15/No. 15
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Prednicarbat (14. August 1993)
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