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Pharma-Kritik

Moexipril

Alexandra Hennemann
pharma-kritik Jahrgang 20 , Nummer 09, PK374
Redaktionsschluss: 8. März 1999
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Synopsis

Moexipril (Fempress®) ist ein weiterer ACE-Hemmer, der zur Behandlung der Hypertonie empfohlen wird.

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Chemie/Pharmakologie

Moexipril ist in seiner Struktur mit Enalapril (Reniten®) und ähnlichen ACE-Hemmern verwandt. Es ist ebenfalls ein Ester, der im Körper hydrolytisch zur Säure gespalten wird. Dieser aktive Metabolit, Moexiprilsäure, ist der eigentliche Hemmstoff des «Angiotensin Converting Enzyme» (ACE).(1)
Das Medikament hat die gleiche Wirkungsweise wie alle anderen bisher bekannten ACE-Hemmer. Es bindet sich an das ACE, was dazu führt, dass die Bildung von Angiotensin II aus Angiotensin I gehemmt wird. Das aktive Angiotensin II ist ein wesentlicher Faktor in der Blutdruckregulation und im Natriumhaushalt. Die ACE-Hemmung hat eine Abnahme des peripheren Gefässwiderstandes und des arteriellen Blutdrucks zur Folge.

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Pharmakokinetik

In bezug auf die Kinetik bestehen Unterschiede zwischen den verschiedenen ACE-Hemmern. Moexipril wird gastrointestinal nur unvollständig resorbiert, die Bioverfügbarkeit (als Moexiprilsäure) liegt bei 13%. Wird das Medikament mit dem Essen zusammen eingenommen, so sind die maximalen Plasmaspiegel und die resorbierte Gesamtmenge nochmals deutlich reduziert. Nach eineinhalb Stunden wird die maximale Plasmakonzentration von Moexiprilsäure erreicht. In verschiedenen Studien ergab sich eine Eliminationshalbwertszeit zwischen 2 und 9 Stunden. Die Wirkung einer Dosis von 7,5 mg hält etwa 12 Stunden an; bei höheren Dosen kann mit einem 24-Stunden-Effekt gerechnet werden. Sowohl Prodrug als auch aktiver Metabolit werden in der Leber metabolisiert und mit der Galle ausgeschieden. Nach oraler Verabreichung finden sich über 50% einer Dosis als Moexiprilsäure im Stuhl, während im Urin relativ kleine Mengen gemessen werden.(2)

Bei Niereninsuffizienz und - in geringerem Ausmass - auch bei älteren Leuten können Halbwertszeit und die «Area Under the Curve» von Moexiprilsäure ansteigen. Bei Personen mit Leberzirrhose sind die maximalen Plasmaspiegel von Moexipril erhöht, von Moexiprilsäure dagegen reduziert.(lit)

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Klinische Studien

Moexipril ist bei Personen verschiedener Altersstufen und speziell auch bei Frauen nach der Menopause als Antihypertensivum geprüft worden. Der grösste Teil der mehrheitlich kleinen Studien, die zusammen knapp 3000 Männer und Frauen umfassten,(1) ist in den letzten Jahren publiziert worden. Das Medikament ist in den USA schon seit 1995 unter dem Namen Univasc® auf dem Markt.

Es liegen mehrere Vergleiche mit Placebo vor, die alle eine signifikante antihypertensive Wirkung von Moexipril dokumentieren.(1)

Captopril (Lopirin® u.a.) ist der einzige ACE-Hemmer, mit dem Moexipril bisher verglichen wurde: In einer Doppelblindstudie war Captopril in einer Dosis von 2mal 25 bis 50 mg täglich nach 12 Wochen Behandlung ähnlich wirksam wie Moexipril, das einmal täglich in einer Dosis von 7,5 bis 15 mg gegeben wurde. Auf Captopril sprachen 60%, auf Moexipril 65% der Behandelten an. Der diastolische Blutdruck wurde von beiden Medikamenten um 9 bis 10 mm Hg gesenkt; die Senkung des systolischen Blutdrucks war unter Moexipril etwas stärker als unter Captopril.(3)

Mit Hydrochlorothiazid (Esidrex®) wurde Moexipril in mehreren Doppelblindstudien verglichen. In zwei Studien erwiesen sich 15 mg Moexipril (einmal täglich) gesamthaft als ähnlich wirksam wie 25 mg Hydrochlorothiazid (ebenfalls einmal täglich).(1) In einer weiteren Studie, die speziell bei Frauen nach der Menopause durchgeführt wurde, war Hydrochlorothiazid jedoch signifikant wirksamer: Moexipril (15 mg/Tag) senkte den Blutdruck durchschnittlich um 8/10 mm Hg, Hydrochlorothiazid (25 mg/Tag) dagegen um 16/12 mm Hg.(4)

Das neue Antihypertensivum ist auch mit Betablockern verglichen worden:
In einer 12wöchigen Doppelblindstudie bei 116 übergewichtigen Frauen nach der Menopause wurde der Blutdruck durch Atenolol (25 bis 50 mg/Tag) und durch Moexipril (7,5 bis 15 mg/Tag) ähnlich gut gesenkt. Die Schlussresultate sind nicht ganz zuverlässig beurteilbar, weil in dieser (bisher erst als Abstract veröffentlichten) Studie eine nicht genannte Zahl Frauen von der neunten Woche an zusätzlich ein Diuretikum erhielt.(5)

Moexipril wurde auch mit retardiertem Verapamil (z.B. Isoptin® retard) verglichen. Nach 24 Wochen war die von den beiden Medikamenten erreichte Blutdrucksenkung vergleichbar.(6)

In einer weiteren Studie bei 93 Frauen nach der Menopause wurde Moexipril während acht Wochen mit Nitrendipin (Baypress®) verglichen. Mit 15 mg Moexipril und 20 mg Nitrendipin liess sich eine vergleichbare Blutdrucksenkung erreichen.(lit)

Kombination mit Diuretika

Die Kombination mit einem Diuretikum erlaubt eine deutliche Steigerung der antihypertensiven Wirkung. In mehreren Studien wurde die Kombination von Moexipril und Hydrochlorothiazid mit den Einzelwirkstoffen verglichen, wobei sich regelmässig eine signifikant stärkere blutdrucksenkende Wirkung der Kombination nachweisen liess.(1)

In verschiedenen Studien wurden auch Moexipril-Diuretikum-Kombinationen mit Diuretika-Kombinationen anderer Antihypertensiva verglichen:

140 Personen mit einem durchschnittlichen diastolischen Blutdruck zwischen 95 und 114 mm Hg erhielten während 12 Wochen doppelblind entweder 7,5 mg Moexipril + 12,5 mg Hydrochlorothiazid oder 100 mg Metoprolol (Lopresor® u.a.) + 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Mit beiden Kombinationen wurde eine Blutdrucksenkung von durchschnittlich etwa 17/13 mm Hg erreicht.(8)

Kombinationen mit Hydrochlorothiazid wurden auch in einem Vergleich zwischen Moexipril und Verapamil verwendet. Trotz Zusatz von täglich 25 mg Hydrochlorothiazid musste in dieser Studie allerdings bei rund 80% der Behandelten die initiale Moexipril- bzw. Verapamil-Dosis auf 15 mg/Tag bzw. 240 mg/Tag gesteigert werden.(lit)

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Unerwünschte Wirkungen

Nach bisherigem Wissen verursacht Moexipril ungefähr die gleichen unerwünschten Wirkungen wie andere ACE-Hemmer. Am häufigsten klagen die Behandelten über Husten (6% oder mehr), Schwindel (4%), Durchfall (3%), Influenzasyndrom (3%), Müdigkeit (2%). Andere ebenfalls häufige unerwünschte Ereignisse wie Kopfschmerzen, respiratorische Infekte u.a. waren in den Studien unter Placebo mindestens ebenso häufig.

Wie unter anderen ACE-Hemmern ist ein Blutdruckabfall möglich, wenn die Behandelten ein reduziertes Blutvolumen (z.B. infolge von Diuretika) haben. Ebenso muss auch unter Moexipril mit der Möglichkeit eines (seltenen) angioneurotischen Ödems gerechnet werden.

Wie andere ACE-Hemmer ist Moexipril klinisch und in bezug auf metabolische Veränderungen eher besser verträglich als z.B. Diuretika.(lit)

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Dosierung/Verabreichung/Kosten

Moexipril (Fempress®) ist als Filmtabletten zu 7,5 mg und zu 15 mg erhältlich und in der Schweiz kassenzulässig. Die Behandlung wird mit 7,5 mg (in einer täglichen Dosis) begonnen. Das Medikament soll nicht mit dem Essen zusammen (sondern 1 Stunde vor dem Essen) eingenommen werden.

Aufgrund der Studien ist anzunehmen, dass die Dosis nicht selten auf 15 mg (einmal täglich) gesteigert werden muss. Sinnvoller als eine weitere Steigerung auf 30 mg/Tag ist wahrscheinlich die Kombination mit einem niedrig dosierten Diuretikum. Wenn Moexipril zu einer vorbestehenden diuretischen Therapie hinzugefügt wird, soll das Diuretikum nach Möglichkeit vor dem Beginn der Moexiprilgabe für 2-3 Tage ausgesetzt werden.

Bei Niereninsuffizienz (Kreatininclearance unter 40 ml/min) soll die Behandlung mit 3,75 mg/Tag begonnen werden. In der Schwangerschaft sind ACE-Hemmer wegen der Gefahren für den Fetus kontraindiziert. Die Verträglichkeit bei stillenden Müttern sowie bei Kindern ist nicht dokumentiert.

In einer Tagesdosis von 15 mg verursacht Moexipril bei Verwendung der grösseren Packung monatliche Kosten von 43 Franken, deutlich mehr als z.B. Lisinopril (Zestril®, 10 mg/Tag: CHF 33.-) oder Enalapril (Reniten®, 10 mg/Tag: CHF 35.-). In den USA ist Moexipril übrigens wesentlich billiger als die Konkurrenzpräparate.

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Kommentar

Die vorliegenden Daten dokumentieren Moexipril als wirksames Antihypertensivum. Da die Substanz bisher nur sehr wenig mit anderen ACE-Hemmern verglichen worden ist, fällt es schwer, ihr einen Platz zuzuweisen. Anhaltspunkte, dass sie sich substantiell von anderen Vertretern dieser Gruppe unterscheidet, sind nicht vorhanden.

Es ist lobenswert, dass Moexipril speziell bei Frauen nach der Menopause getestet worden ist. Nachteilig wirkt sich aber aus, dass für diese Gruppe von Patientinnen keine Vergleiche mit anderen ACE-Hemmern vorliegen. Mit anderen Worten: Es ist völlig unbestimmt, ob Moexipril bei Frauen nach der Menopause gegenüber anderen ACE-Hemmern spezielle Vorteile zukommen. So sind vorderhand keine Gründe auszumachen, weshalb Frauen nach der Menopause vorzugsweise mit diesem etwas teureren ACE-Hemmer behandelt werden sollten.

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Literatur

  1. Brogden RN, Wiseman LR. Drugs 1998; 55: 845-60
  2. Stimpel M et al. Cardiovasc Drug Rev 1995; 13: 211-29
  3. Stimpel M et al. J Cardiovasc Pharmacol 1996; 28: 769-73
  4. Stimpel M et al. Cardiology 1998; 89: 271-6
  5. Stimpel M et al. Am J Hypertens 1996; 9 (Pt 2): 175A (Abstract)
  6. Abernethy DR et al. J Clin Pharmacol 1995; 35: 794-9
  7. Prüsse DI, Stimpel M. Hypertension 1997; 29: 844 (Abstract)
  8. Stimpel M, Koch B. J Hum Hypertens 1997; 11: 133-7
  9. Chrysant SG, Stimpel M. J Clin Pharmacol 1996; 36: 701-6
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Standpunkte und Meinungen

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pharma-kritik, 20/No. 09
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Moexipril (8. März 1999)
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