Eisen bei gesunden Schwangeren: Nutzen unklar

  • m -- Cantor AG, Bougatsos C, Dana T et al. Routine iron supplementation and screening for iron deficiency anemia in pregnancy: a systematic review for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2015 (21. April); 162: 566-76 [Link]
  • Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
  • infomed screen Jahrgang 19 (2015) , Nummer 4
    Datum der Ausgabe: Juli 2015

Bei uns erhalten die meisten Frauen während einer Schwangerschaft prophylaktisch ein kombiniertes Vitamin- und Mineralstoffpräparat mit Eisen verschrieben. Elevit® pronatal enthält beispielsweise 60 mg elementares Eisen in einer zweiwertigen Eisenverbindung. Ist die routinemässige Abgabe von Eisen-Supplementen an schwangere Frauen aber wirklich sinnvoll? Oder lohnt sich allenfalls ein Screening auf Eisenmangelanämien und die gezielte Behandlung, wenn ein Eisenmangel vorliegt? Dies waren die Schlüsselfragen dieser im Auftrag der amerikanischen «Preventive Services Task Force» erstellten systematischen Übersicht.

Die Studienverantwortlichen fanden keine Studien, in denen Nutzen und Risiken eines Screenings auf Eisenmangel in der Schwangerschaft untersucht worden waren. Hingegen fanden sich 12 Studien unterschiedlicher Grösse und Qualität, welche den Nutzen einer routinemässigen Eisenprophylaxe bei schwangeren Frauen untersucht hatten. Mehrheitlich konnte in diesen Studien gezeigt werden, dass sich mit den Eisenpräparaten die Hämoglobin- und Ferritinwerte am Geburtstermin günstig beeinflussen lassen. So hatten in den Supplementgruppen beispielsweise nur 4% der betroffenen Frauen ein Hämoglobin unter 11 g/dl gegenüber 15% in den Kontrollgruppen. Unklar und teilweise widersprüchlich waren hingegen die beobachteten Auswirkungen auf härtere Endpunkte wie mütterliche Geburtskomplikationen, das Geburtsgewicht und die Zahl von Frühgeburten.

Wie bei so vielen präventiv-medizinischen Fragen fehlen auch für die prophylaktische Eisengabe in der Schwangerschaft gute Studien, die einen Nutzen anhand harter Endpunkten belegen. Dass Anämien am Geburtstermin nach Eisengabe seltener sind, spricht sicher für den Einsatz von Eisenpräparaten. Da das Verhältnis von Nutzen und Risiken aber letztlich unklar bleibt, können die individuellen Präferenzen der Schwangeren bei der Entscheidung mitberücksichtigt werden.

Zusammengefasst und kommentiert von Peter Ritzmann

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Eisen bei gesunden Schwangeren: Nutzen unklar (Juli 2015)