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Antidepressiva bei Fibromyalgie

m -- Häuser W, Bernardy K, Üçeyler N et al. Treatment of fibromyalgia syndrome with antidepressants: a meta-analysis. JAMA 2009 (14. Januar); 301: 198-209 [Link]
Zusammerfasser(in): Julia Bohlius
Kommentator(in): Roland von Känel
infomed screen Jahrgang 13 (2009), Nummer 3
Datum der Ausgabe: Mai 2009

Studienziele
In der vorliegenden Meta-Analyse wurde untersucht, wie weit Antidepressiva bei an Fibromyalgie Erkrankten die Symptome Schmerzen, Abgeschlagenheit, depressive Verstimmung und Schlafstörungen zu reduzieren sowie die Lebensqualität zu verbessern vermögen.

Methoden
18 placebokontrollierte Studien mit insgesamt 1‘427 untersuchten Personen wurden in die Meta-Analyse einbezogen. Es wurde die Wirksamkeit der Antidepressiva insgesamt sowie verschiedener Wirkstoffgruppen separat untersucht. Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug 8 Wochen, Studien mit Langzeitergebnissen wurden keine gefunden.

Ergebnisse
Im Vergleich mit Placebo hatten Antidepressiva insgesamt einen positiven Einfluss auf alle untersuchten Symptome. Der Einfluss auf Abgeschlagenheit, depressive Verstimmung und Schlafstörungen war im Vergleich zu Placebo generell klein, der Einfluss auf Schmerzempfinden und Lebensqualität moderat. Trizyklische Antidepressiva zeigten eine bessere Wirkung als andere Gruppen von Antidepressiva. In Studien mit direktem Vergleich zwischen trizyklischen Antidepressiva und anderen Wirkstoffgruppen konnte dieser Unterschied jedoch nicht eindeutig bestätigt werden.

Schlussfolgerung
Antidepressiva können die verschiedenen Symptome einer Fibromyalgie – insbesondere die Schmerzen – positiv beeinflussen. Die Daten lassen keinen definitiven Entscheid zugunsten einer Antidepressiva-Klasse zu. Aufgrund des möglicherweise stärkeren Effektes empfehlen die Studienverantwortlichen jedoch die Gabe von trizyklischen Antidepressiva. Als Alternative erwähnen sie Duloxetin (Cymbalta®), einen kombinierten Serotonin-/Noradrenalinwiederaufnahmehemmer. Dieses Medikament zeigte zwar im Vergleich keine stärkere Wirkung als andere Antidepressiva, wurde aber bereits bei einer grossen Anzahl Fibromyalgiekranker untersucht und ist als einziges von der amerikanischen «Food and Drug Administration» (FDA) für diese Indikation zugelassen.

Zusammengefasst von Julia Bohlius

Wie frühere Arbeiten kommt diese aktualisierte Meta-Analyse zum Schluss, dass der kurzzeitige Einsatz von niedrigdosierten Trizyklika, z.B. 25 bis 50 mg Amitriptylin (Saroten®, Tryptizol®) Schmerzen bei der Fibromyalgie zu reduzieren vermag. Alternativ könne Duloxetin eingesetzt werden, wohingegen SSRI keinen klaren Effekt zeigten. Trotz dieser Datenlage werden praktisch tätige Kollegen anmerken, dass Trizyklika im klinischen Alltag leider allzu oft eine enttäuschende Wirkung auf das Schmerzerleben der von Fibromyalgie Betroffenen zeigen. Dies mag daher rühren, dass die in die Meta-Analyse einbezogenen Studien Personen mit vergleichsweise geringer psychischer Komorbidität und stabilem psychosozialen Funktionsniveau untersucht haben und dass die Trizyklika in mehrheitlich kleinen Studien minderer Qualität untersucht wurden. Es sei darauf hingewiesen, dass eine zeitgemässe multimodale Therapie der Fibromyalgie neben analgetisch wirksamen Antidepressiva auch edukative und kognitivverhaltenstherapeutische Elemente sowie regelmässige körperliche Aktivität berücksichtigen soll. Zur Therapie einer zusätzlich vorliegenden Depression müsste das Trizyklikum deutlich höher dosiert werden (beispielsweise100 bis 150 mg Amitriptylin täglich).

Roland von Känel

 

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Antidepressiva bei Fibromyalgie (Mai 2009)
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